Gute Fragen an Oma und Opa sind offen, konkret und fangen bei kleinen Dingen an – etwa „Wie sah dein Schulweg aus?“ oder „Was hast du mit deinem ersten Lohn gemacht?“. Wichtiger als die Frage selbst ist aber, was du danach sagst, wenn die Antwort nach zwei Sätzen aufhört. Hier findest du 50 Fragen, nach Lebensabschnitten sortiert, dazu Anschlussfragen und eine Anleitung, wie aus einer Liste ein echtes Gespräch wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Wenige Fragen pro Treffen: Vier bis fünf Fragen reichen für einen Nachmittag. Lieber öfter wiederkommen als alles auf einmal wollen.
- Offen und konkret fragen: „Wie sah die Küche aus, in der du aufgewachsen bist?“ bringt mehr als „Wie war deine Kindheit?“.
- Anschlussfragen vorbereiten: Gespräche stocken oft nicht am Anfang, sondern nach der ersten kurzen Antwort.
- Fotos als Türöffner: Ein altes Bild auf dem Tisch erzählt oft mehr als jede Frage.
- Festhalten: Mitschreiben und, wenn Oma oder Opa einverstanden sind, die Stimme aufnehmen.
Warum eine Fragenliste allein oft nicht reicht
Vielleicht hast du dir auch schon einmal vorgenommen, die Großeltern „mal richtig auszufragen“. Und dann kommt der Moment, in dem es nicht weitergeht: Die Frage ist gestellt, Oma antwortet mit „Ach, das war halt so“, und dann ist es still. Nicht, weil es nichts zu erzählen gäbe, sondern weil große Fragen große Antworten verlangen. Und die hat man nicht auf Knopfdruck.
Deshalb helfen drei Dinge mehr als eine lange Liste:
- Klein anfangen. Nach einem Gegenstand, einem Ort, einem Geruch zu fragen, fällt leichter als nach „dem Leben“.
- Nachfragen statt weiterfragen. Wenn eine Antwort kurz ist, geh nicht zur nächsten Frage, sondern bleib dran: „Wie meinst du das?“, „Wer war noch dabei?“, „Wie hat sich das angefühlt?“
- Aushalten, wenn es still ist. Oft kommt der schönste Teil der Geschichte nach einer Pause. Zähl innerlich bis fünf, bevor du etwas sagst.
So bereitest du das Gespräch vor
- Verabrede dich dafür. „Ich würde dich gern mal über früher ausfragen, hast du Sonntag Zeit?“ ist ehrlicher und wirkt besser als ein Überfall beim Kaffee.
- Wähle vier bis fünf Fragen aus. Nicht alle 50. Ein Treffen, ein Lebensabschnitt.
- Bring etwas mit. Ein altes Foto, ein Rezeptheft, eine Postkarte. Gegenstände wecken Erinnerungen, an die man mit Worten allein nicht herankommt.
- Frag, ob du aufnehmen darfst. Eine Tonaufnahme mit dem Handy hält nicht nur die Geschichte fest, sondern auch die Stimme. Nimm aber nur auf, wenn Oma oder Opa ausdrücklich einverstanden sind. Ein privates Gespräch heimlich aufzunehmen ist nicht nur unhöflich, sondern in Deutschland auch strafbar (§ 201 Strafgesetzbuch).
- Schreib trotzdem mit. Ein paar Stichworte genügen. Aufnahmen hört man selten ein zweites Mal ganz an, Notizen liest man wieder.
50 Fragen an Oma und Opa – nach Lebensabschnitten
Du musst die Fragen nicht der Reihe nach stellen. Such dir die aus, die zu deinen Großeltern passen, und formulier sie ruhig in deinen eigenen Worten.
Kindheit
- Wie sah das Haus oder die Wohnung aus, in der du aufgewachsen bist?
- Wie roch es in der Küche deiner Mutter? Was gab es sonntags zu essen?
- Womit hast du als Kind am liebsten gespielt – und mit wem?
- Welche Aufgaben musstest du im Haushalt oder auf dem Hof übernehmen?
- Wie habt ihr Weihnachten gefeiert?
- Wovor hattest du als Kind Angst?
- Was war der größte Ärger, den du als Kind bekommen hast?
Anschlussfragen, wenn es stockt: Wer war noch dabei? Wie alt warst du da ungefähr? Gibt es davon ein Foto?
Schule und Jugend
- Wie war dein Schulweg? Wie lange hast du gebraucht?
- Welche Lehrerin oder welchen Lehrer hast du nie vergessen – und warum?
- Was wolltest du werden, als du jung warst?
- Was habt ihr als Jugendliche am Wochenende gemacht?
- Welche Musik hast du damals gehört, und wo?
- Was war verboten, und hast du es trotzdem gemacht?
- Wer war deine beste Freundin oder dein bester Freund?
Anschlussfragen: Was ist aus ihr oder ihm geworden? Was hättest du damals gern anders gemacht?
Arbeit und erstes eigenes Geld
- Was war deine erste Arbeit, und wie bist du dazu gekommen?
- Weißt du noch, was du mit deinem ersten Lohn gemacht hast?
- Wie sah ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?
- Auf welche Arbeit bist du bis heute stolz?
- Gab es einen Beruf, den du gern gelernt hättest?
- Wie viel hat damals ein Brot, ein Kinobesuch oder eine Straßenbahnfahrt gekostet?
Anschlussfragen: Was war daran schwer? Wer hat dir geholfen?
Liebe und Familie
- Wie habt ihr euch kennengelernt, du und Opa (oder Oma)?
- Was hat dir an ihm (oder ihr) als Erstes gefallen?
- Wie war eure Hochzeit? Was ist schiefgegangen?
- Wie war es, als dein erstes Kind geboren wurde?
- Was war mein Vater oder meine Mutter für ein Kind?
- Welche Familientradition sollte unbedingt weitergehen?
- Was hast du von deinen eigenen Eltern gelernt, das du weitergegeben hast?
Anschlussfragen: Was habt ihr euch damals versprochen? Wie hat sich das im Lauf der Jahre verändert?
Die Zeit, in der du groß geworden bist
- Welches Ereignis in der Welt hat dich am meisten bewegt, als es passiert ist?
- Wo warst du, als die Mauer gefallen ist?
- Wann hattet ihr das erste Telefon, den ersten Fernseher, das erste Auto?
- Was hat sich in deinem Leben am meisten verändert?
- Was war früher wirklich besser – und was ganz sicher nicht?
- Wie habt ihr gespart, und worauf habt ihr lange gespart?
Anschlussfragen: Was habt ihr damals darüber gedacht? Wie habt ihr in der Familie darüber gesprochen?
Küche, Haushalt und Garten
- Welches Gericht hast du von deiner Mutter oder Großmutter gelernt? Kannst du es mir zeigen?
- Welche Hausmittel hat man bei euch gegen Erkältung oder Bauchweh genommen?
- Was habt ihr eingekocht, eingemacht oder im Keller gelagert?
- Hattet ihr einen Garten? Was wuchs darin?
- Welchen Haushaltstrick kennst du, den heute keiner mehr kennt?
- Was hast du selbst genäht, gestrickt oder repariert?
Anschlussfragen: Wer hat es dir beigebracht? Hast du das Rezept irgendwo aufgeschrieben?
Rückblick und das, was bleiben soll
- Worauf bist du in deinem Leben am meisten stolz?
- Was war die schwierigste Entscheidung, die du treffen musstest?
- Welcher Tag in deinem Leben war einer der schönsten?
- Wer hat dich am meisten geprägt?
- Was hast du dir von deinem Leben anders vorgestellt?
- Was würdest du deinem zwanzigjährigen Ich sagen?
- Was hast du spät im Leben noch gelernt?
- Wofür bist du dankbar?
- Was sollen wir Enkel über dich wissen, das wir vielleicht noch nicht wissen?
- Was wünschst du dir für unsere Familie?
- Gibt es eine Frage, die dir noch nie jemand gestellt hat, die du aber gern beantworten würdest?
Die letzte Frage ist vielleicht die wichtigste. Mit ihr gibst du das Gespräch an Oma oder Opa zurück.
Wenn Oma oder Opa nicht erzählen möchte
Nicht jede Erinnerung ist eine schöne. Wer die Nachkriegszeit, Flucht, frühe Verluste oder schwere Jahre erlebt hat, spricht darüber vielleicht nicht, oder nicht mit dir, oder nicht heute. Das ist zu respektieren.
- Frag nach, aber dräng nicht. „Magst du darüber reden?“ ist eine Frage, auf die „Nein“ eine gültige Antwort ist.
- Wechsle das Thema, ohne es zu kommentieren. Oft kommt die Geschichte später von selbst, bei einem anderen Besuch.
- Und manchmal ist das Schweigen selbst die Antwort. Du musst nicht alles wissen.
Wenn deine Großeltern an Demenz erkrankt sind, lohnt das Erzählen trotzdem. Bei vielen Menschen mit Demenz bleiben Erinnerungen an frühe Jahre länger erhalten als an Kürzliches. Fotos, alte Lieder oder vertraute Gerüche können helfen. Korrigiere keine Details. Es geht ums Erzählen, nicht um Richtigkeit.
Wie du die Antworten festhältst
- Ein eigenes Heft oder Buch. Handschriftlich wirkt es persönlicher, und es lässt sich später verschenken oder weitergeben.
- Tonaufnahmen mit Datum und Thema benennen, zum Beispiel „2026-10-12_Oma_Kindheit“. Sonst findest du sie in einem Jahr nicht wieder.
- Fotos beschriften. Lass dir zu alten Fotos sagen, wer darauf ist und wann es war, und schreib es mit Bleistift auf die Rückseite. Das ist oft das Wertvollste überhaupt, denn in zwanzig Jahren weiß es vielleicht niemand mehr.
- Rezepte abschreiben, und zwar mit Omas Mengenangaben („eine Tasse“, „bis es sich richtig anfühlt“). Die gehören zur Geschichte dazu.
Häufige Fragen
Wie viele Fragen sollte ich bei einem Treffen stellen?
Vier bis fünf. Ein gutes Gespräch über eine einzige Frage kann eine Stunde dauern. Wer mit zwanzig Fragen kommt, arbeitet eine Liste ab und bekommt kurze Antworten.
Welche Fragen eignen sich für Kinder oder ein Schulprojekt?
Schon Grundschulkinder können gut fragen, am besten nach Dingen, die sie selbst kennen: „Womit hast du gespielt?“, „Wie sah deine Schule aus?“, „Was gab es bei dir zum Frühstück?“, „Hattest du ein Haustier?“. Die Fragen 1 bis 14 oben passen gut dazu. Jugendliche und Erwachsene können dann auch nach Arbeit, Liebe und schwierigen Zeiten fragen.
Gibt es auch lustige Fragen an Oma und Opa?
Ja, und sie lockern oft das ganze Gespräch: „Was war die peinlichste Mode, die du getragen hast?“, „Welchen Streich hast du jemandem gespielt?“, „Was hast du als Kind geglaubt, das gar nicht stimmte?“. Mit so einer Frage anzufangen, nimmt vielen die Scheu.
Ist ein Erinnerungsbuch zum Selbstausfüllen ein gutes Geschenk?
Es kann eines sein, aber solche Bücher bleiben oft leer. Ein Buch hinzulegen ist eine Aufgabe für die Beschenkten. Oft funktioniert es besser, die Fragen gemeinsam durchzugehen und selbst mitzuschreiben. Dann ist das Geschenk die gemeinsame Zeit, und das Buch entsteht nebenbei.
Was mache ich, wenn meine Großeltern weit weg wohnen?
Telefon und Videoanruf funktionieren auch. Schick vorher ein, zwei Fragen per Post, dann können Oma oder Opa in Ruhe darüber nachdenken, und im Gespräch geht es gleich los.
Die Fragen, die Anschlussfragen und der Platz zum Schreiben – in einem Buch
Die 50 Fragen oben sind zum Ausprobieren. Wer es geordneter mag: „Was ich dich noch fragen wollte“ ist ein Fragebuch für Gespräche mit deiner Großmutter, mit eigenen, sorgfältig aufgebauten Fragen: 40 Fragen in acht Sitzungen, zu jeder Frage zwei Anschlussfragen für den Moment, in dem es stockt, acht kurze Gesprächsregeln und viel Platz zum Mitschreiben. In Großdruck, zum Tippen am Computer oder zum Ausdrucken. 110 Seiten als PDF für 9 €, sofort zum Herunterladen.
Stand: September 2026.
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